‘Müde’ beschreibt es kaum

 
 
 

Ich bin einfach so furchtbar erschöpft. Von dieser Welt, den Bösartigkeiten, den Unaufmerksamkeiten, den Unachtsamkeiten, dem Drübergehen, dem ‚Nicht-zuhören‘, dem ‚Dagegen‘, dem schnellen ‚Dafür‘.

Ich bin einfach so furchtbar erschöpft. Von dieser Welt, dieser Gesellschaft, in der es so sehr um Benotung, Beurteilung und Leistung geht. In der die Einzelperson nicht gesehen wird. In der wir die, die es brauchen nicht mehr unterstützen, oder zu wenig, oder gar nicht oder gleich ganz vergessen.

Ich bin einfach so furchtbar erschöpft, davon dieses Gefühl nicht loszuwerden, dass ich nicht dazu gehöre, und gleichzeitig nicht dazu gehören will, in keine Schublade passe und gleichzeitig nicht passen will. Dass ich nicht weiß wo ich hin gehöre und gleichzeitig auf keinen Fall einfach irgendwo hingehören will.

Ich bin einfach so furchtbar erschöpft davon meine Unabhängigkeit zu leben und festzuhalten und für sich zu kämpfen und einzustehen und mich nicht einfach Abhängigkeit zu begeben.

Ich bin einfach so furchtbar erschöpft von Nachrichten. Von Krieg und Leid und Tod und Schmerz. Von Hass und Diskriminierung und Hetze und Rassismus und Rechthaberei und Ungerechtigkeit und Egoismus und Machtansprüchen.

Ich bin einfach so furchtbar erschöpft, dass diese Welt ist, wie sie ist. Ich bin müde.

Darf ich einfach mal klagen und meiner Erschöpfung Raum geben? Ja. G*tt hält das aus. Ganz sicher. Und manchmal - vielleicht sogar ganz schön oft - ist eben nicht alles gleich wieder gut. Sondern einfach so wie es ist.

 

Psalm 88

2 Adonaj, Gott meiner Befreiung! Tags schreie ich und nachts stehe ich dir gegenüber. 4 Übersatt an Katastrophen bin ich. (…) 5 (…) Bin geworden wie ein entkräfteter Mensch. (…) 7 Du hast mich in den tiefsten Abgrund gestürzt, den Grund der Dunkelheit, die Tiefe des Meeres. 8 Auf mich hat sich deine Glut gelegt. Mit deiner ganzen Brandung hast du mich niedergedrückt. 9 Entfernt hast du mir meine Vertrauten. (…) Eingeschlossen bin ich – kein Fluchtweg. 10 Mein Auge ist abgenutzt vom Elend. Ich schreie zu dir, Adonaj, jeden ganzen Tag, strecke nach dir meine Handflächen aus. 13 Werden in der Finsternis deine Wunder bekannt? Deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens? 14 Ich – zur dir, Adonaj, rufe ich laut um Hilfe. Am Morgen treffe dich mein flehendes Gebet. 15 Warum, Adonaj, stößt du mein Leben von dir? Verbirgst vor mir dein Antlitz? 16 Gebeugt bin ich. (…) 19 Entfernt hast du mir Geliebte und Gefährten, meine Vertrauten – Finsternis
(BigS)

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Verbundheit